Da keimt etwas auf – etwas Hoffnung

Ich habe nun einige Zeit nicht geschrieben, denn in meinem Leben passierten so viele Dinge gleichzeitig. Ich hatte Geburtstag, hatte Sorge vor den neuen Schmerzmitteln und der Zukunft, habe um den Schwerbehindertenausweis gekämpft, bin noch dabei, mit der Krankenkasse um den Rollstuhl zu kämpfen und irgendwie kostet das alles mehr Kraft, als mir lieb ist. Doch in all dem Grau sprießt gerade ein kleiner Samen auf, eine Hoffnung, die ich mit euch teilen möchte.

Das neue Schmerzmittel. Als mir der Arzt den Namen genannt hat, wusste ich, dass dies gut wird. Naja, irgendwie zumindest. Tilidin heißt es – und wer mich kennt weiß, dass ich zeitlebens immer wieder Tilli genannt wurde. Als wäre das Mittel speziell für mich gemacht. 🙂 Die Probetage verliefen gut. Die kleine Dosis hatte noch nicht wirklich geholfen, auch wenn ich eine kleine Änderung verspürt habe. Dann haben wir die Dosis verdoppelt und nun habe ich einen Stand, bei dem ich endlich einmal unter die “5” auf der Schmerzskala komme. Die Schmerzen sind nicht weg – jetzt eher vergleichbar mit Spannungskopfschmerzen, doch im Vergleich ist das einfach wundervoll. OK – solange ich nicht meine Tabletten vergesse. In diesen Momenten (leider schafft es mein Hirn nicht mehr so gut, mich auf solche Dinge zu konzentrieren) schießen die Schmerzen dann leider wieder durch die Decke und erinnern mich daran, dass sich mein Zustand nicht gebessert hat, sondern die Tabletten wirken. Aber auch hier gibt es Hoffnung. Ich habe nun eine Apple Watch, die mich an viele Dinge perfekt erinnert. Ich gelobe also Besserung. :))

Meine Figur bekommt übrigens auch neue Hoffnung. Als Sklave der Technik, fühle ich mich jetzt mit der neuen Uhr gezwungen, die dort angebotenen Fitness-Übungen zu erledigen und mich auf eine reduzierte Ernährung einzulassen. Seit 5 Tagen mache ich das nun und habe inzwischen 2,3 Kilo abgenommen. Gar keine so schlechte Leistung und das lässt sich sicherlich noch steigern. Ich habe nämlich eine Sportart gefunden, die ich trotz meiner Behinderungen durchführen kann. Der Heimtrainer – Fahrradfahren selber würde nicht klappen, da ich durch das fehlende Gleichgewicht nicht lange im Sattel säße, doch auf dem Heimtrainer habe ich Halt und die Pedale unterstützen die Beine, wenn sie wieder wackeln und krampfen. Das klappt und ich bin fleißig dabei, meine persönlichen Bestleistungen stets zu steigern.

Ich habe in den letzten zwei Wochen wieder etwas gelernt – besser, ich habe etwas gelerntes wiederentdeckt. Ich darf die Hoffnung nicht aufgeben und kann mich voller Vertrauen in die Hände kompetenter Menschen begeben. Auch wenn es mal düster aussieht oder mir die Perspektiven für die Zukunft fehlen, bricht irgendwo dieser kleine Keim aus dem Boden, wächst und gedeiht, bringt mir ein warmes Gefühl der Zuversicht. Mein Leben hat sich im letzten Jahr auf den Kopf gestellt und zeitweise habe ich geglaubt, dass ich falle. Jetzt stehe ich wieder mit beiden Rädern fest auf dem Boden und fahre auf meinem eigenen Weg durch mein aufregendes und schönes Leben.

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1 Comment

  1. Martina Imort 26. Oktober 2018 at 19:47

    Hallo Chris,
    Wie schön, dass die Schmerzen auf das Tilidin ansprechen. Habe das Präparat auch schon mal nehmen dürfen. Allerdings habe ich es nicht vertragen. Dauernder Schwindel und Kreislaufprobleme.
    Deine Energie, die Krankheit anzugehen ist einfach bewundernswert.
    Alles Gute weiterhin.
    Martina

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