Die perfekte Welle

Ähnlich einem Surfer nehme ich im Moment sämtliche Wellen mit und reite sie bis zum Strand. OK, ich halte mich selten auf dem Brett, sondern werde dann unter Wasser gerissen und der Willkür der Welle ausgesetzt, durcheinander gewirbelt. Zumindest fühlt sich so ein Schub an. Und nachdem ich jetzt wieder einmal einen hatte, möchte ich doch gleich mal die Frage klären: “Was ist ein Schub und wie fühlt er sich an?” Achne, diesen Artikel hatte ich doch schonmal. (Voller Schub voraus!) Und dennoch mag ich das Thema nochmals aufgreifen, denn es wirft Fragen bei mir auf. Die größte ist: Wie verhalte ich mich bei einem Schub? Muss ich sofort zum Arzt rennen?

Im Grunde kann ich dazu keine klare Antwort geben, denn ich bekomme ganz unterschiedliche Antworten. In meinem Selbsthilferudel habe ich bislang immer wieder den Hintern aufgerissen bekommen, wenn ich zu lange gewartet habe. Die einheitliche Antwort dort war: “Geh zum Arzt! Sofort!” Mein erster Neurologe war der selben Meinung und ziemlich nervös, ob man Kortison auch später noch geben kann. Der zweite Neurologe war etwas entspannter und nicht der Meinung, dass man da sonderlich gestresst sein muss. Der Experte für MS war bislang der entspannteste Mensch in Sachen Schub und ich bekam die Antwort, dass man das Kortison auch durchaus später geben kann und keine große Eile besteht. Bislang habe ich ganz unterschiedlich reagiert. Mal bin ich sofort zum Arzt gerannt, einmal hatte ich zwei Wochen gewartet, einmal eine Woche und der erste Schub hatte viiiiiel Zeit, bis ich reagiert hatte, da ich nicht wusste, was mit mir passiert. In allen Fällen hat mir das Kortison geholfen und in allen Fällen hatte ich hinterher Symptome, die nicht mehr weg gegangen sind. Also was ist die richtige Antwort?

In einem Blog habe ich ganz zu Anfang gelesen, dass die junge Frau auch ziemlich entspannt ist, wenn ein Schub kommt. Sie wartet ein paar Tage, bis die Symptome klar auf einen Schub hinweisen und geht dann ins Krankenhaus. Sie hatte dafür schöne Worte, warum sie es nicht ambulant in der Praxis bekommen möchte. “Ich kann dort endlich ein paar Tage krank sein!” Dem stimme ich inzwischen zu. Die ruhige Atmosphäre im Krankenhaus führt dazu, dass man sich einmal so richtig fallen lassen kann. Keine anderen Einflüsse stressen einen – man ist halt krank und dort darf man es sein. Aber auch die nette Frau aus dem Blog hatte ihren eigenen Umgang mit den Schüben. Ich versuche irgendwie noch einen zu finden.

Mein Bauch hat eine Antwort auf die Frage und auf den soll man bekanntlich auch hören. Er sagt mir, dass in dem Moment, indem ich merke, dass ein Schub kommt, der Zeitpunkt ist, um zum Arzt zu gehen. Nicht, weil vielleicht etwas ansonsten zu spät sein könnte, sondern weil es nicht sein muss, dass ich leide. Ein Schub ist für mich nämlich genau das. Die Schmerzen flammen hoch und werden teils unerträglich, die Krämpfe verstärken sich und ich fühle mich wie vom LKW überfahren. Jedes Mal. Vielleicht ist es (bei mir) vergleichbar mit einer richtigen Virus-Grippe. Keine Erkältung, auch wenn wir Männer bei denen schon zu Grunde gehen. Eine Grippe, die einem die Beine wegreißt und man nur noch irgendwo liegen möchte – im dunkeln, alleine, verkrochen. Dieses Gefühl, aus welchen Gründen auch immer, länger zu ertragen als nötig ist einfach dumm. Ich hoffe also, dass ich beim nächsten Schub, diesen Gedanken noch immer im Kopf habe und schnellstens einen Arzt aufsuche – ins Krankenhaus gehe oder mir sonst irgendwie helfen lasse. Nicht weil ich muss, sondern weil ich kann!

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1 Comment

  1. W. T. 25. September 2018 at 14:02

    Gut so! W.T.

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