Ein Stern, der meinen Namen trägt

Nachdem ich beim letzten Artikel davon geredet habe, die Grenzen des Universums zu besuchen, bleibe ich dieses Mal etwas lokaler. Ich bleibe bei den sichtbaren Galaxien, Sternen und Planeten unseres Weltalls. Ich begebe mich nämlich nachts auf eine ganz besondere Safari und schieße Fotos von fernen Welten.

Seitdem ich vor Jahren einen Vortrag in einer Sternwarte besucht habe, in dem es um Astrofotografie ging, habe ich den Traum, schöne Fotos von unserem Kosmos zu schießen. Leider fehlte mir bislang immer irgendwas, wie die Zeit, die Kamera, eine Nachführung oder der freie Himmel. Allerdings spielt mir Corona gerade in die Karten. Ich verlasse meine Wohnung nicht und habe die Zeit und Muße, mich diesem Hobby zu widmen. Mir fehlt leider noch immer die passende gute Kamera, doch bei dem Rest bin ich etwas weiter gekommen.

Eines der großen Herausforderung, wenn man die Sterne fotografiert, ist die Drehung der Erde. Um längere Belichtungen zu machen, muss man eine Maschine haben, die eine Kamera genauso schnell in entgegengesetzter Richtung um die Achse der Erde drehen kann. Eine sogenannte Nachführung. Diese sind teuer, also hatte ich eine solche bislang noch nicht. Mir hat jemand eine automatische Steuerung für Teleskope geschenkt, doch eignet sich diese leider nicht zum Fotografieren.

Mit ein bisschen Elektronik, 3D-Druck, Rumgefluche, Mathematik und viiiiel Zeit, habe ich in den letzten Wochen eine Nachführung gebaut. Sie ist nicht perfekt und ich bin noch immer dabei, sie genauer und besser zu machen, aber es klappt zumindest so gut, dass ich ein paar Fotos machen kann. Da der Himmel zur Zeit kein gutes Ziel bietet, das ich aus meinem Fenster sehen kann, habe ich mich auf die Jagd nach den Planeten unseres Sonnensystems gemacht.

Die Jagd war aufregend. Ich habe vor meinem Fenster die Lichtglocke von Düsseldorf, so dass ich kaum einen Stern mit bloßen Augen sehen kann. Ich muss also aus dem Bauch heraus zielen und im Nachgang herausfinden, was ich getroffen habe. Glücklicherweise gibt es schon Programme für den Computer, die einem ganz präzise den Sternenhimmel zeigen, so dass mit etwas Puzzelarbeit irgendwann die Erkenntnis kommt, was das für Punkte auf dem Bild sind. Schritt für Schritt habe ich so das Sonnensystem hinter der Erde komplett zusammenbekommen. Venus und Merkur bleiben bei meinen Fenstern leider außerhalb meiner Möglichkeiten, doch die äußeren Planeten stehen zur Zeit ziemlich günstig. Mein nächstes Ziel ist Ceres, den riesigen Asteroiden aus dem Asteroidengürtel. Leider steht dieser recht tief am Himmel.

Vielleicht bekomme ich ja einmal günstig eine Canon EOS Kamera und vielleicht habe ich Glück und es ist eine Kamera mit ganzem CMOS Chip, dann kann ich mich an tolle Motive wagen, doch bis dahin bleibt mir noch ganz viel neues zu entdecken. Irgendwie geht es mir auch zur Zeit weniger um Hochglanzbilder, als um die wundervolle Freude an neuen Entdeckungen. Zu wissen, dass einer dieser Lichtpunkte eine ferne Galaxie ist und diese Lichtteilchen gerade 200 Millionen Jahre gereist sind, um von mir gefangen zu werden, beflügelt meine Phantasie. Mit einer sternenklaren Nacht wird plötzlich aus meiner Wohnung ein Observatorium und aus meiner Isolation auf wenigen Quadratmetern, wird die Freiheit, durch Millionen von Lichtjahren zu reisen.

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