Eine Geschichte voller Kontraste

Ich habe vor kurzer Zeit auf Twitter einmal gefragt, worüber ich auf meinem Blog als nächstes schreiben soll. Irgendwie habe ich nur zwei Antworten bekommen und eine davon war „Bratkartoffeln“. Da ich nicht wirklich ein Meister in der Zubereitung dieser Köstlichkeit bin, werde ich mit dem anderen Vorschlag gehen. Die Frage, wie ich zum Malen gekommen bin. Dieses Thema bietet viel mehr Material, um etwas darüber zu erzählen, denn es ist eine Gesichte voller Kontraste. Ich muss euch nämlich ein Geheimnis verraten: Ich kann gar nicht malen!

Aber ich fange einfach mal am Anfang an. Wie mir mein Papa vor einiger Zeit bestätigte, war ich als junger Mensch vollkommen talentfrei. Ich habe es immer schon gemocht, kreative Gedanken zu haben. Oftmals hatte ich große Pläne, irgendwas interessantes zu schaffen… die Umsetzung war dann eher sehr mies. An dieser Stelle möchte ich meiner Kunstlehrerin in der Schule danken, dass sie nie den Klassenraum angezündet und mich in ihm gelassen hat. Sie musste viel durchmachen mit meinen kreativen Ergüssen.

Dieses Bild von 1983 von meinem Kuscheltier „Babyteddy“ trägt mein Papa noch immer mit sich in der Brieftasche.

Ich habe dennoch immer gerne gezeichnet. In meiner Schülerzeitung hatte ich eine extrem miserable Comicstrecke mit dem Namen „Henry der Hahn“. Eine Kreatur, die zum einen kaum wie ein Hahn aussah und zum anderen in einem Nest saß… was Hähne ebenfalls eher selten tun. Naja, ich hatte meinen Spaß dran und an diese Ausgeburt der kreativen Hölle kann sich wahrscheinlich auch kein Mensch mehr erinnern. Soll er nach diesem kurzen textlichen Gastspiel in Frieden ruhen.

Nach meinem Abitur hatte ich kurzzeitig die gradiose Idee, ein Designstudium an der Hochschule Niederrhein in Krefeld zu machen, denn mein Ziel war es, in die Werbung zu kommen. Leider benötigte man zur Aufnahme eine Mappe und selbst wenn ich es probiert hätte, eine solche zu erstellen, wäre ich dort nicht aufgenommen worden. Vielleicht ist es auch besser so, denn später im Leben habe ich so einige Designstudenten getroffen, die eine viel zu „gelernte“ und seltsam unspaßige Einstellung zu Kunst hatten und dadurch auch nicht gerade sympathischer wurden. Ich habe also in Demut meine Stifte fallen lassen und sehr lange nicht mehr ans Malen gedacht.

Seit dieser Zeit hat mich allerdings ein anderes Medium stets begleitet. Der Computer und seine Möglichkeiten, Dinge zu erschaffen. Sei es 3D Animationen oder Fotomanipulationen, Matte Paintings oder ähnliche Dinge. Hier hatte ich, auch wenn das nie etwas mit meinen Berufen zutun hatte, meine Passion gefunden. Alles konnte etwas autistischer, etwas steriler sein. Ob meine Hände gezittert haben oder nicht – am Ergebnis konnte man meine „Unfähigkeit“ zu malen nicht mehr erkennen. Als ich dann mit Anfang 30 eine Ausbildung zum Mediengestalter gemacht habe, konnte ich diese Passion zu meinem beruflichen Vorteil nutzen. So bin ich schließlich doch noch in einer Werbeagentur gelandet und konnte mit Bildern Geld verdienen. Meine Eltern haben zwar immer tolle Bilder gemalt, aber der vollkommen talentfreie Junge konnte damit seinen Lebensunterhalt bestreiten. Lustig, wie das Schicksal so arbeitet.

Wie ihr merkt, noch immer geht es nicht wirklich ums Zeichnen oder ums Malen und so seltsam das vielleicht auch klingt – das mache ich erst seit einem Jahr. Ok, ich habe schon Jahre lang Miniaturen für diverse Brettspiele bemalt, aber dabei verändert man im Grunde die Kunstwerke der wundervollen Künstler, die diese Figuren erschaffen haben und macht daraus etwas eigenes, aber dass ich selber richtige Bilder male, ist noch nicht wirklich lang. Angefangen hat es im Grunde damit, dass ich nicht mehr arbeiten kann, aber der Tag noch immer 24 Stunden hat. Ich habe angefangen, meine gezwungener Maßen freien Zeit, mit Malen und Zeichnen zu verbringen. Dazu kam noch Kathrin, eine wundervolle Künstlerin, die ich über Twitter kennenlernen durfte und die im letzten Jahr gestorben ist. Wir haben viel miteinander geschrieben und ich habe ein paar von ihr gestellten Aufgaben mitgemacht und Monster gezeichnet. Das hat mir viel beigebracht und mit der Zeit wurde ich etwas sicherer mit dem Bleistift.

Selbsterklärend

Im letzten Sommerurlaub habe ich dann zum ersten Mal seit dem gruseligen Kunstunterricht einen Pinsel in die Hand genommen und mit Wasserfarben gemalt. Ich wollte es probieren und es klappte recht gut. Und seitdem ich im Oktober ein iPad pro bekommen habe, kann ich vieles wieder zurück auf den Computer übertragen und dort schöne Bilder malen. Zumindest finde ich sie schön und höre das auch von ein paar anderen Menschen. Ich freue mich darüber, dass ich noch immer etwas mit meinen Händen erschaffen kann. Ich habe es schonmal als die perfekte Physiotherapie für mich beschrieben. Auch wenn meine Hände krampfen und nicht wirklich das machen wollen, was ich will, so schaffe ich es beim Malen ganz ruhig zu werden. Der Tremor geht weg, die Krämpfe lösen sich und manchmal verschwindet sogar der chronische Schmerz im Hintergrund. Wenn ich mir also etwas wünschen dürfte, in Bezug auf meine Krankheit und mein Leben, dann wäre es, dass ich noch ganz lange in der Lage bin künstlerisch tätig zu sein. Ein Lächeln an andere Menschen zu verschenken. Etwas schönes zu erschaffen. Ich würde von mir noch immer behaupten, dass ich nicht malen kann, aber mit ein wenig Glück und Übung könnte sich das vielleicht einmal ändern und ich kann noch lange rumwerkeln. Drückt mir mal die Daumen.

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