Es geht aufwärts, oder?!

Seit ein paar Tagen bin ich in einem Schub. Jetzt weiß ich es genau – musste es erstmal unterscheiden von den Symptomen der Hitze aus den vergangenen Wochen. Und doch ist es jetzt klar. Der Schub ist gekommen, die Entzündungen schlagen aus. Aber es geht doch aufwärts? Zumindest war ich so froh, nachdem die Hitze verschwunden war, dass mein Körper sich einigermaßen erholt hat und zwar nicht mehr zum Stand vor der Hitze zurückgekehrt ist, aber dennoch etwas besser funktionierte. Es geht doch aufwärts! Und dann kam es. Ein neues Symptom. Noch nie vorher habe ich das gespürt und jetzt ist es da. Ohne Unterbrechung, die ganze Zeit. Und mit dem neuen Symptom kamen auch die anderen Beschwerden in viel größerer Intensität zurück. So weit, dass ich teilweise schwer Luft bekomme, weil die Spastiken meinen Oberkörper erreicht haben.

Die letzten Tage konnte ich hier nicht schreiben. Ich hatte die Kraft nicht. Ein paar kurze Nachrichten auf Twitter waren ja OK, aber längere Texte? Das ging gar nicht. Heute geht es dafür ein wenig besser. Ich sitze am Computer und freue mich, dass ich ein schönes und passendes Bild für diesen Beitrag gefunden habe. Genau jetzt sind diese kleinen Dinge sehr wichtig. Ich muss mich darauf konzentrieren, muss sie mehr genießen und mir immer wieder sagen, dass egal was passiert, alles wieder gut wird. Vielleicht nicht körperlich, aber in meinem Kopf. Dass ich mich, egal was passiert, an den neuen Zustand gewöhnen werde, wie ich das in den letzten Monaten auch geschafft habe. Es geht aufwärts! Je mehr mich die Krankheit ärgert, desto intensiver werden meine Erfahrungen in anderen Bereichen. Ich genieße es viel mehr, glücklich zu sein. Ich kann mich besser entspannen. Die düsteren Wolken verschwinden viel schneller und ich bekomme so viel mehr Lebensmut.

Ich weiß nicht, ob dieser Artikel hier so gut verständlich ist. Ich versuche ein Gefühl zu beschreiben, dass ich selber nicht richtig greifen kann. Dieses Paradoxon vielleicht dadurch zu verstehen, dass ich hier darüber berichte. Aber vielleicht bin ich damit nicht alleine. Vielleicht kennt ihr das auch? Und mir fällt dieser total abgedroschene Satz ein: “Wenn dir das Leben Zitronen schenkt, mach Limonade draus!” Es braucht manchmal, bis man die Essenz einer solchen Redensart richtig begreift. Bei mir scheint der Groschen (Anmerkung für die jüngeren Leser – ein Groschen war früher ein 10 Pfennig Stück. Das wäre vergleichbar mit 10 Cent. In den alten Tagen, damals im letzten Jahrtausend hatten wir komische Namen für Geldstücke. Der Heiermann, der Groschen…) gefallen zu sein. Ich begreife diese Einstellung endlich und ja: Ich mache Limonade draus. Leckere, erfrischende, glücklich machende Limonade. Ich sag ja: Es geht aufwärts!

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4 Comments

  1. Sabine Bitzer 6. September 2018 at 22:24

    Hallo Chris,
    ich glaube, dass ich dich zumindest ein bißchen verstehe. Ich weiß seit gut 15 Jahren, dass ich MS habe und -auch wenn ich in vielen Dingen ein normales Leben führe – hat sich vieles verändert. Viele dieser Veränderungen spüre ich nur selber.
    Ich genieße manchmal einfach nur die Ruhe – früher wurde es mir langweilig.
    Ich nehme die Natur viel bewusster war – früher fand ich viele Dinge eher uninteressant.
    Ich merke, dass irgendwas schwerer geht als früher, aber entweder geht es jetzt halt langsamer oder irgendwie anders.
    Irgendwie stellt sich mein Körper immer wieder auf Veränderungen ein und mein Kopf macht mit.
    Aufgeben kommt nicht in Frage, denn dafür ist das Leben (mein Leben) einfach viel zu schön – auch, wenn es immer wieder neue Herausforderungen gibt.
    …und ich habe einen tollen Mann an meiner Seite, der mir immer Mut macht, dass es immer wieder aufwärts geht.
    Ich drücke dir die Daumen, dass du diese “es geht aufwärts” Haltung behältst und auch weiterhin in sauren Dingen die süßen Möglichkeiten findest.
    Viele Grüße, Sabine

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  2. Marina 7. September 2018 at 8:42

    Hallo Chris,
    Ich glaube auch, dass ich verstehe. Ich habe seit einer kleinen Weile bei Whats App als Mottozeile: “Positiv denken, und es geht immer weiter…”. Das ist ja eine ähnliche Aussage, wie ich aus Deinen Beiträgen herraushöre.
    Auch ich bin ja -wie Du- recht frisch in dieser Liga, und ich muss mein Leben neu sortieren. Ich bin froh, dass ich bis auf ab und zu Rückenprobleme, die ich schon immer mal hatte, keine Schmerzen habe, wie Du, sondern -vorerst jedenfalls- “nur” schlecht laufen kann und die Arme nicht so wollen, wie ich. Daraus versuche ich das Leben zu gestalten.
    Diese Woche bin ich zB einer Einladung in eine andere Kirchengemeinde (eine Autostunde entfernt) zu einem Gesprächsabend gefolgt. Mich hat das Thema gereizt, aber auch:
    -mal raus aus den täglichen Herausforderungen
    -eine Art Ausflug mit anderen lieben Menschen
    -auch, dass ich jetzt gezwungener Maßen Zeit für so etwas habe, hatte ich bei meinen Arbeitszeiten selten, bzw , war dann zu erschöpft
    – selbst zu sehen, dass sich nicht alles um MS dreht
    -zu sehen, dass ich andere Hilfe annehmen kann und darf, und dann auch an manchem teilhaben kann.
    Es tat mir gut, solche kleinen Erfahrungen wünsche ich allen, die hier mitlesen
    LG von Marina

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  3. Ramona 8. September 2018 at 17:50

    Hallo zusammen!

    Ich finde das soooo bewundernswert, dass ihr alle so positiv denkt! Behaltet es!

    Ich bekam meine Diagnose letztes Jahr und konnte auch nicht mehr laufen! Damals habe ich mich auch über jede kleine Verbesserung gefreut und wurde zu längeren Ruhephasen gewissermaßen gezwungen, die mir gut taten!
    Ich war gut drauf, auch um mir selbst und anderen zu zeigen, dass ich mich nicht unterkriegen lasse!!

    Heute geht es mir eigentlich wieder relativ gut! Ich kann wieder laufen und habe nur noch kleinere Einschränkungen (die keiner merkt). Der Alltag hat mich wieder voll im Griff (Kinder, Arbeit, Haushalt, Garten) und man nimmt sich keine Auszeit mehr!
    Das positive Denken ist irgendwo auf der Streckenverloren gegangen!
    Aber ich bin mir ganz sicher, ich finde es bald wieder! 😉

    Was ich eigentlich damit sagen will:
    Danke für deine tollen Berichte Chris und auch die Kommentare von Sabine und Marina!
    Das hilft mir sooo sehr!!! Zu sehen wie du dich nicht unterkriegen lässt und sogar während dem Höhepunkt eines Schubes schreibst! Danke! 😍

    Ich wünsche dir schnelle Besserung deiner Symptome! Und noch gaaanz viel Limonade!

    Liebe Grüße
    Ramona

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  4. Sabine Bitzer 9. September 2018 at 17:38

    Hallo Ramona,
    toll, dass es dir wieder – bis auf kleine Einschränkungen – so gut geht! Freut mich für dich!
    Aber nimm dir – trotz Alltag – dennoch kleine Auszeiten! Die tun gut und sind sooo wichtig!
    Liebe Grüße
    Sabine

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