Geh aus meinem Stuhl, Bärchen!

Nun war es soweit. Eine Woche lang durfte ich meinen zukünftigen Rollstuhl ausprobieren. Wobei – ich hatte nicht die volle Zeit zur Verfügung. In jeder freien Minute, also die Momente, in denen ich nicht im Stuhl saß, hüpfte mein Sohn ans Steuer und quälte meinen fahrbaren Untersatz. Mit lautem “huiiiii” raste er an mir vorbei, kippte den Stuhl nach hinten, um auf zwei Rädern zu fahren, kruvte hin und her durchs Wohnzimmer und nutzte den Stuhl als seinen neuen Lieblingsplatz beim PS4 zocken. Wenn ich es dann endlich geschafft habe, ihn aus dem Stuhl zu vertreiben, um selber in ihm zu sitzen, nutzte er die Gelegenheit, um die Griffe zu schnappen und mich wild durch die Walachei zu chauffieren. Gut, dass mein Magen einigermaßen viel aushält, ansonsten hätte sich schnell meine Gesichtsfarbe von einem leichten Rotton in ein krankes Grün verwandelt.

 

Ein gutes hatte es in jedem Fall und ich kann nur empfehlen, solch eine Situation beim Testen des neuen Vihikels einzubinden: Ich habe weniger Angst vor dem Rollstuhl. Meine Sorgen sind gänzlich gewichen und ich merke, wie mobil ich plötzlich geworden bin. Wieviel Spaß ich mit meinem kleinen Sohn haben kann, ohne dass ich gut zu Fuß sein muss. Für mich ist das zwar alles kein Spiel und doch wird mit diesem Hilfsmittel vieles in meinem Leben zu einem Kinderspiel. Das helle Lachen vertreibt die düsteren Gedanken und schon spinnen sich Pläne in meinem Kopf, den Rollstuhl cool zu tunen. Dann wird aus dem Behinderten schnell ein Rennfahrer, Pilot oder Astronaut. Dann sammel ich im großen Spiel des Lebens bei jeder Herausforderung Punkte, überwinde Bordsteine mit coolen Special-Moves und erklimme Steigungen wie ein Forscher im Himalaya. Ich will mich in Zukunft mehr darauf konzentrieren, die Welt mit Kinderaugen zu sehen. Denn seien wir ehrlich: Die graue Erwachsenenwelt mit all ihren Problemen ist schon dominant genug.

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