Ich sehe den Wald vor lauter Bäume nicht

So viel gibt es zu tun und so wenig Zeit hat man am Tag. Wenn es dann aber konkret darum geht, was man heute denn so macht, fällt einem nichts mehr ein. Ich kenne diese Momente zu genüge. Ok, ich habe immer auch ein wenig meine Krankheit, die ich dafür verantwortlich machen kann, aber das möchte ich gerade gar nicht. Ich gebe zu, ich bin manchmal übersättigt von Möglichkeiten und unfähig, eine Entscheidung zu treffen.

Zum Beispiel heute. Ich habe die ersten Kapitel meines Kinderromans geschrieben, nochmals auf Logikfehler geprüft und Dinge nachgetragen, die sich erst später beim Schreiben ergeben haben. Ein super Zeitpunkt, einfach mal das nächste Kapitel zu starten und die Geschichte weiterzubringen. Dennoch habe ich überlegt, was ich denn mit dem Tag anfangen könnte. Habe etwas an einem neuen Bild gearbeitet, aber nichts hat meinen Geist so stark gefesselt, dass ich den Tag produktiv nennen kann.

Ich sehe den Wald vor lauter Bäume nicht, die Aktivitäten vor lauter Auswahl. Ich könnte Schreiben, Malen, zeichnen, Schmuck basteln, etwas modellieren oder Miniaturen bemalen. All dies macht mir Spaß, aber ich habe dann diese Tage, an denen ich mich nicht festlegen will. Denn jede Aufgabe zieht sich dann bei mir über Tage hinweg und ich habe nicht die Kraft und Ausdauer, mehrere Projekte zur selben Zeit zu haben. Dann wird es eben doch wieder Twitter oder das kleine Handyspiel, das ich zum Zeitvertreib auf dem iPad spiele.

Ich mag diese Seite an mir nicht. Viel lieber würde ich diesem Automatismus der Unentschlossenheit entfliehen, aber wie soll ich es nur tun? Ich habe schon vieles probiert. Unglaublich erfolgreich (nicht) war es, mir in meinem digitalen Kalender Erinnerungen einzuspeichern. Ich gebe mir ein paar Tage für eine Aufgabe und setze eine Deadline fest. Im Beruf hat sowas ja schließlich auch funktioniert. Aber ihr ahnt es ja schon: Zur Zeit habe ich ca. 8 unerledigte Erinnerungen im Kalender und die Frage wirft sich auf, was ich davon wohl heute mal erledigen könnte. 🤦‍♂️

Nun – neben dem begonnenen Bild habe ich dann halt eben WordPress geöffnet und schreibe jetzt an meinem Blog. So gesehen habe ich heute also das Dickicht der Möglichkeiten durchforstet und eine Aufgabe gefunden – halt nur keine wirklich produktive.

Habt ihr Wege, euch zu motivieren? Beruflich sitzt einem dafür der Chef oder der Kunde im Nacken, daher meine ich in der Freizeit. Habt ihr Strategien, eure Hobbys zu managen? Könnt ihr mir Tipps geben?

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4 Comments

  1. Manu 10. Februar 2020 at 20:18

    Chris, bist Du irre ? Solche to-do Listen setzen einen total unter Druck und helfen kein bisschen. Du nennst das anscheinend gerade ‘strukturiert’, aber wir beide wissen, dass das so nicht funktioniert.
    Jetzt mach Pause. Du bist nicht mehr im Beruf und andere Regeln gelten. Bzw Möglichkeiten, zur Ruhe zu kommen.

    Sei so lieb, bitte !

    Ich drücke Dich ganz doll und hoffe, dass Du auf Dich aufpasst…..

    GLG aus Hamburg von Manu

    Reply
    1. Chris 10. Februar 2020 at 20:20

      Ja, das bin ich! 😂 Aber ich weiß was du meinst. Leider prallen da Dinge aufeinander. Wenn ich nichts mache, dann zieht mich das ebenfalls total runter. Ein Teufelskreis. 🤦‍♂️🙄

      Reply
  2. Elke 14. Februar 2020 at 1:43

    Hallo chris ,
    Du hast meinen Alltag beschrieben, mein Leben.
    Ich drehe mich hier nur im Kreis. Habe unendlich viele Pläne und Ideen, die ich umsetzen möchte aber nichts klappt richtig.
    Die kreative Seite, die ich noch nicht so lange kenne ist toll..
    Malen, upcyclen, Handarbeiten, Lettering usw mag ich sehr, seit ich verlernt habe ein Buch zu lesen.
    Ich wollte für meine Enkel Strümpfe, Mützen und und und stricken/häkeln.
    Enthusiastisch begonnen. die Wolle stapelt sich, weil ich ewig neue kaufe aber meine Ergebnisse sind eher mager. Bin dann sauer auf mich.
    Hinzu kommt, dass es seit Monaten Probleme mit der Beschaffung meiner Antikörper gibt.
    Nicht lieferbar 🤬, nicht in der Menge lieferbar usw.
    Mit meinem neuen Hausarzt (Alter in Rente😥 ) werde ich nicht so warm, da ich mich nicht ernstgenommen fühle.
    Reden kann und will ich nicht immer. Zur Zeit ist Reden wirklich schwierig.
    Achtsamer sein sollte ich – mit mir. Das weiss ich in der Theorie alles.
    Die Praxis ist das Problem.
    Ängste und Panikattacken, sobald ich das Haus verlassen muss/soll, was für viele völlig unverständlich ist.
    Positiv sehe ich für mich, dass ich mittlerweile merke, wenn die dunkle Seite die Oberhand gewinnt. Das ist schon ein großer Erfolg.
    Das ich nein sagen kann ist toll.
    Es klappt auch mit dem Abgrenzen teilweise gut.
    Ich schlafe nachts mit Licht, Salzlampen, Lichterketten und habe immer Radio oder TV an, weil Stille mich erstarren lässt.
    Ich liebe meine Tiere. die immer spüren wie es mir geht.
    Innerlich bin ich eine Chaotin und das trage ich nach außen.
    Jetzt habe ich soviel von mir geschrieben. wollte ich gar nicht und bin gerade echt erstaunt, dass ich so viel preisgebe.
    Warum versuchen wir ein Tagespensum zu erreichen?
    Kann es nicht einfach gut und richtig sein was wir getan oder geschafft haben?
    Es sollte einfach Spaß machen und wenn es denn nur ein kurze Zeit so ist, dann ist das so.
    Ich bin z.B. sehr aktiv um die Zeit des Vollmondes.
    Da bin ich fast hyperaktiv und schlafe kaum.
    Das ist eine Phase im Monat auf die ich mich freue und die ich so annehme kann, weil es so ist 😉.
    Meistens bin ich anschließend 3 Tage platt, ist aber wurscht.
    Es ist für mich unmöglich langfristig zu planen, zu verreisen, Einladungen anzunehmen und noch einiges mehr.
    Andere Dinge, die für gesunde Menschen pillepalle sind, machen mich stolz, weil ich sie schaffe.
    Weißt du, dass was wir tun sollte sich richtig anfühlen , für uns und nicht für andere.
    Wenn es dir morgens nicht gut geht, dann bleib liegen oder etwas was sich gut und richtig anfühlt.
    Entscheide kurzfristig😁.
    Bin ich jetzt wieder total chaotisch unterwegs?
    Ja, selbst meine Schreibselei ist chaotisch.
    Danke dir fürs Zuhören .
    Krimihilde (Elke)

    Reply
    1. Chris 14. Februar 2020 at 10:46

      Liebe Elke, ich danke dir, dass du so viel erzählt hast. Es tut gut, sich selbst wiederzuerkennen und zu sehen, dass man nicht alleine so ein „Chaot“ ist. In der Regeln bin ich auch ganz zufrieden mit dem, was ich täglich schaffe oder nicht. Nur in den Zeiten, in denen die Depression mich bewegungsunfähig werden lässt, beginnt dieser Teufelskreis mit der Gedankenspirale. Ich schaffe weniger und weniger, will aber plötzlich dagegen lenken und mehr und mehr erreichen. Wenn ich das nicht schaffe, steigt die Unzufriedenheit, teilweise die Wut auf mich selbst und ich werde noch starrer, schaffe noch weniger. Nun… alleine zu wissen, dass man eine solche düstere Phase hat, ist schon viel wert. Das gibt mir zumindest immer die Möglichkeit, weniger Ansprüche an mich selbst zu stellen und diesen Kreislauf zu durchbrechen. Gelingt mir… manchmal. 😅
      Ich wünsche dir, dass du stets den Vollmond nutzen kannst und am Tag genau das für dich richtige Maß findest und zufrieden bist, mit allem das du schaffst – egal wieviel es ist!
      Chris

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