Ist Kunst gerade wichtig?

Seit 9 Wochen (so genau kann ich das nicht sagen) bin ich in der selbstgewählten Isolation. Ich mache selten etwas anderes, als hier zu malen, zu zeichnen oder sonstwie kreativ zu sein. Immer genau soviel, wie ich schaffe – was leider nicht wirklich viel ist. Aber während gerade die Welt untergeht – und ich muss jetzt mal die Außenwelt fragen: Sind die Zombies schon da? – stelle ich mir die Frage: „Wie wichtig sind Künstler in Zeiten der Pandemie?“

Ich muss mir gerade keine Gedanken darüber machen, ob ich Geld verdienen kann, ob jemand meine Kunst kauft und ob ich den nächsten Monat noch meine Miete zahlen kann, doch es gibt gerade ganz viele Künstler, die vor dieser Unsicherheit stehen. Sie können zumeist ohne Probleme ihrem Beruf nachgehen, können im Atelier zuhause werken, malen, zeichnen und mit Farben zaubern, doch muss sich jeder Künstler auch die Frage stellen, ob jemand gerade Geld für Kunst ausgibt. Schließlich wird zur Zeit fast jeder von Existenzängsten geplagt und wenn man nicht weiß, ob man weiterhin seine Familie ernähren kann, ist Kunst vielleicht das letzte, woran Menschen denken, oder?!

Für mich ist die Antwort da ziemlich klar. NATÜRLICH braucht es gerade Künstler. Natürlich ist Kunst gerade etwas fundamental wichtiges. Die Welt um uns herum ist aus den Fugen geraten, da braucht es jetzt etwas schönes. Sei es das Bild, das einen mit seinen Farben anstrahlt, das Kinderbuch, das unsere Fantasie anregt und natürlich die der Kinder. Wir brauchen Musik, die uns träumen lässt, Filme, die uns mitnehmen in andere Welten. Gerade jetzt ist es wichtig, dass wir das erhalten, das unterstützen. Die Welt wird so schnell grau und eintönig, besonders wenn wir einer unsichtbaren Gefahr ins Augen blicken. Für manche von uns bedeutet die Corona-Krise gerade, dass sie nicht am Leben da draußen teilnehmen können. Dass wir nicht neue Erlebnisse jeden Tag mit nach Hause nehmen, sondern eben dieses Zuhause nicht verlassen können.

In den letzten Wochen konnte ich beobachten, wie die Kreativen dieser Welt ein Lächeln verschickt haben. Sie haben neue Bilder gemalt, Filmchen gedreht, Karikaturen erschaffen, die uns zum Lachen und Nachdenken gebracht haben. Sie haben all das gemacht, ohne eine Gegenleistung zu verlangen und das obwohl sie selber gerade einen Auftragsstopp durchleben. Es gab Künstler, die Materialien zusammengestellt haben, um Kindern etwas Abwechslung in die Isolation zu bringen. Ausmalbilder, Lehrwerke, Bastelanleitungen oder Anregungen für aufregende Freizeitgestaltungen zuhause. Autoren haben ihre Werke im Netz kostenfrei zur Verfügung gestellt, TV-Anbieter haben Bezahlkanäle für jeden freigeschaltet. Musiker sind vor Altenheime mit ihren Instrumenten gezogen und haben für die Bewohner dort kleine Konzerte veranstaltet – natürlich mit viel Abstand, vor den Fenstern der Einrichtungen. So wunderbar dies auch ist, so wichtig ist es aber auch, dass jeder, der etwas Geld übrig hat, sich bei diesen Menschen erkenntlich zeigen – auch wenn diese etwas kostenlos zur Verfügung stellen. Wenn ihr jemanden kennt, der seinen Lebensunterhalt mit Kunst bestreitet – sei es der Drehbuchschreiber für eine Seifenoper, der gerade keine Drehbücher schreiben kann oder der Künstler, der Drucke seiner Bilder verkauft oder TShirts, der Selbstständige Grafiker, der im Moment keine Aufträge hat – denkt doch einmal darüber nach, ob ihr ihn nicht unterstützen könnt. Vielleicht kauft ihr einfach mal ein Bild für eure eigenen vier Wände, damit diese etwas neue Farbe bekommen, vielleicht ein Kinderbuch, auch wenn ihr keine Kinder habt. Irgendwas, das euch zum Lächeln bringt und so unglaublich wichtig ist für den Künstler.

Ich gehöre glücklicherweise zu den Menschen, die sich keine Gedanken um ihr Einkommen machen müssen. Ich kann daher ohne Sorgen weiterhin versuchen, etwas Farbe in euer Leben zu bekommen. Es wäre schön, wenn auch andere ohne Sorgen Freude verbreiten können und vielleicht kann dieser kleine Aufruf dafür zum Teil dienlich sein. Sobald ich wieder ein Bild fertig habe, bekommt ihr es natürlich auf meinen SocialMedia-Kanälen zu sehen und vielleicht bereitet es euch dort eine kleine, gerade sehr wichtige Freude. Ich werde jetzt bald auch einmal versuchen, hier auf meinem Blog eine Galerie zu erstellen. Wenn das klappt, sage ich euch Bescheid!

Bevor dieser Satz wieder zu einer Floskel verkommt, möchte ich euch aufrichtig ganz viel Gesundheit wünschen. Bleibt besonnen und sicher, lächelt einfach mal, auch wenn es gerade vielleicht schwer fällt und bringt andere Menschen zum Lächeln! Ich danke euch!

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2 Comments

  1. Werner 6. Mai 2020 at 11:03

    Super, Chris! 🙂

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  2. Dirk 8. Mai 2020 at 20:59

    Großartiges Plädoyer dafür wie wichtig Kultur und Kunst sind – in krisenvollen ebenso wie in krisenfesten Zeiten. Stay strong, Chris.

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