Nimm dir Zeit! Aber woher denn bitte?

Zeit ist etwas relatives – hat Einstein schon festgestellt. Manchmal vergeht sie wie im Flug, manchmal zieht sich Zeit wie Kaugummi. Aber eine Sache bleibt unverändert: Der Tag hat 24 Stunden. Da ist es schon ziemlich schwierig, wenn man sich durch die Erkrankung “Zeit” nehmen soll, denn für uns wird der Tag auch nicht länger. Die Gesellschaft um uns herum ist getacktet. Alles geht schnell, hat keine Zeit zum Aufschieben und es wird erwartet, dass man funktioniert in diesem Rahmen. Aber was ist, wenn man das einfach nicht mehr kann?

Ehrlich gesagt? Ich kann darauf keine Antwort geben. Vielleicht habe ich die Erkrankung noch nicht lange genug, vielleicht fehlt mir noch die Übung oder die Tricks und Kniffe, dies optimal zu schaffen. Ich weiß nur, dass ich zum Einen ganz heftig auf Stress reagiere… körperlich… psychisch… und ich dadurch alleine schon Zeit für alles benötige. Dann bin ich dazu noch langsam geworden. Ich kann das Chaos im Wohnzimmer irgendwie beseitigen, doch dauert es einen ganzen Tag, wobei es früher in Minuten gibt. Jeder Weg ist beschwerlich und die Pausen zwischenzeitlich essentiell, wenn ich nicht im Flur auf dem Boden liegen will und vor mich hin zucke. Aber die Einstellung: “Dann mache ich es halt morgen” hilft nicht wirklich, denn jeder kennt das. Chaos wächst mit der Zeit. Schnell werden meine Tage einfach zu kurz. Aber Stress kommt. Stress entsteht dadurch, dass es Arzttermine gibt, dass man Krankschreibungen am besten sofort in den Briefkasten wirft und die Krankenkasse nicht Bezüge streicht, weil man die Fristen nicht geschafft hat. Stress entsteht auch, wenn man sich um eine gewisse Uhrzeit verabredet und die Fatique, diese unsagbar tiefe Müdigkeit, zuschlägt und man sich kaum fortbewegen kann. Plötzlich schaut man auf die Uhr und hat kaum mehr Zeit sich fertig zu machen, um den Termin einhalten zu können. Als grundsätzlich sehr pünktlicher Mensch, wie ich es bin, ist dies dramatisch und treibt den Puls nach oben. Ratet mal, was dann noch heftiger zuschlägt! Ja, diese Müdigkeit. Die Beine sind so schwer, dass man nicht aufstehen kann und der restliche Körper wehrt sich auch.

Ich muss es noch lernen, aber der wahrscheinlich beste Weg ist, dass man auch mal nein sagt. Keine Scheu davor hat, Verabredungen abzusagen, wenn es gerade nicht funktioniert. Aufgaben mit Ruhe zu erledigen und nicht zu versuchen, alles in dem Tempo zu erledigen, wie man es vor der Krankheit geschafft hat. Ich war noch nie ein Sportwagen, aber jetzt bin ich eher der Trabbi mit Motorschaden. (Eine kleine Anmerkung für jüngere Leser: Ein Trabbi war ein lustiges Auto aus der DDR in antiker Vorzeit. Es hatte einen ziemlich kleinen Motor, bestand aus lackierter Pappe und später aus Plaste. Googelt das ruhig mal!) Manche Dinge kann man leider nicht aufschieben. Die genannten Termine bei Ämtern oder Krankenkassen – doch dabei hilft auch, dass man sie zum schnellstmöglichen Zeitpunkt beginnt, so dass nicht der Druck kommt, wenn man sie nur langsam erledigen kann. Nimm dir Zeit! Woher? Nun, von dir selber. Die alten Angewohnheiten, alles auf den letzten Drücker zu erledigen, einfach mal über Bord werden. Mit der Krankheit leben und sie akzeptieren hilft. Keine Scheu haben, das Umfeld über Herausforderungen aufzuklären. Zeit daher nehmen, dass man das Vertrauen hat, auf Verständnis zu stoßen, wenn man einmal nicht so kann, wie man es gerne würde. Und jetzt probiere ich es einfach auch mal damit. Wenn das in so einem Blog steht, dann hilft das bestimmt. Wünscht mir Glück! 🙂

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