Papa macht den T-Rex! oder wie erzähle ich es meinem Kind

Die Diagnose “MS” kam für mich ziemlich plötzlich und unerwartet. Es hat gedauert, bis sich mein Kopf an den Gedanken gewöhnt hat – oder vielleicht dauert dieser Prozess noch immer an – aber verstanden habe ich das ganze noch immer nicht wirklich. Da kommt die Herausforderung, diese Erkrankung einem 10-jährigen Kind zu erklären genau richtig. Moment… nein… egal. Nun, ich bin um diese Herausforderung nicht herum gekommen. Mein Sohn ist 10 und auch wenn er nur alle zwei Wochenenden bei mir wohnt, musste ich es ihm vermitteln. Monster – ja Monster sind immer gut. Monster die mein Gehirn fressen. Argh – DAS könnte bei einem Kind mit einem übersteigerten Interesse an Zombies dann doch irgendwie falsch ankommen. Also vielleicht eher kleine Monster? Fresszellen klingt auch zu gefährlich. Mein Immunsystem – jaaaa, er sollte wissen was ich damit meine, oder?!
Gesagt, getan. Ich erklärte es meinem Kleinen und versuchte es nicht so dramatisch klingen zu lassen, wie es vielleicht ist. Und doch habe ich ihm gesagt, dass es eine recht ernste und unheilbare Geschichte ist. Aber das schien mir nicht genug. Also gleich mal rein in den nächsten Fehler: Youtube! Versucht selber einmal “Multiple Sklerose” auf unserer geliebten Video-Plattform zu suchen und dann etwas erklärendes und anschauliches zu finden, das dennoch hoffnungsvoll und kindgerecht ist. Mein erstes Video zu dem Thema war über eine Frau, die im Rollstuhl saß, sichtlich mit ihrer Behinderung zu kämpfen hatte und in einem Heim für MS-Erkrankte gelandet ist und dort mit den anderen Personen ihre Zeit verbringt. Toll! Also ich fand erstaunlich, wie positiv diese Frau war, aber gleich vermittelte ich meinem Sohn das Bild, dass ich bald im Rollstuhl lande und ins Heim muss. (Notiz am Rande: Mit dem Rollstuhl lag ich da ja schonmal richtig, auch wenn ich das selber eher für ausgeschlossen hielt.)
Kaum hatte ich meine Erklärungen abgeschlossen und war der festen Überzeugung, mein Sohn ist nun vollends schockiert, hat mega Angst um mich und wird Alpträume in den nächsten Jahren haben, stand ich auf und bewegte mich zur Türe des Wohnzimmers und bekam einen spastischen Krampf. Dabei krampft sich gerne mein linker Arm an meinen Körper dran, verwandelt meine linke Hand in eine Art “Klaue”, lässt mein linkes Bein erzittern und erzeugt zumeist ein seltsames Geräusch aus meinem Mund, ähnlich einem “Gack gack”. Mein Sohn blickte mich an, strahlte los und rief so laut er konnte: “Cool, Papa macht wieder den T-Rex!”. Der kleine Mann strahlte mich an und muss noch immer darüber lachen. Da mache ich mir Sorgen darum, dass er das ganze nicht richtig verpackt und er beiweist mir, dass Kinder oftmals eine viel lockerere Sichtweise der Dinge haben, als wir Erwachsene es uns erlauben. Ja – den T-Rex mache ich noch immer. Manchmal auch die tote Ente auf dem Flurboden, nachdem ich gestürzt bin oder das Walross, wenn ich nicht wirklich aufs Sofa zurück komme und aussehe wie ein gestrandeter Wal.

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