Sie lauern ständig hinter mir

Ja, ich schreibe mal ganz schnell nach dem letzten Beitrag einen weiteren. Diesmal, weil mir ein Thema sehr wichtig ist. Diesmal keine Scherze, kein leichtes Thema und kein positiver Schluss – einfach nur die Betrachtung einer unglaublich gefährlichen Krankheit. Depressionen.

Ich kenne Depressionen, seitdem ich ein Kind bin. Gelernt, was Depressionen wirklich bedeuten und wie ich damit umgehen kann, habe ich dann mit Anfang 20. Jetzt bin ich 41 Jahre alt und werde noch immer von diesen Dämonen überrascht, die ständig hinter mir lauern. Im Moment ist es wieder soweit, dabei habe ich erst vor ein paar Tagen das Licht am Horizont betrachtet und mich darüber gefreut, endlich aus der Depression zu kommen. Aber vielleicht erstmal die kleine Hintergrundgeschichte.

Mein Arzt hat zwei Dinge im Winter festgestellt. 1. Mein Citalopram gegen Depressionen ist total überdosiert und 2. es hilft gegen meine Depression gar nicht so gut. Ich habe nämlich so ziemlich kein Serotonin im Körper und dieses Mittel verbessert nur den Umgang mit dem vorhandenen Glücklichmacher. Ein neues Medikament musste also her und das alte muss ausschleichen. Das bedeutet, dass ich es nicht von jetzt auf gleich absetze, sondern zuerst die Dosierung senke und dann „Saionara“ zu ihm sage.

So Antidepressiva benötigen allerdings eine ganze Weile, bis sie anfangen zu wirken. Ich habe also die Dosierung meines alten Medikaments gesenkt und das neue hatte noch nicht die Chance, richtig zu wirken. Es kam, wie es kommen musste: eine brachiale Welle überspülte mich. So stark war dieser Ansturm aus Hoffnungslosigkeit, dass ich kurzfristig mit dem Gedanken gespielt habe, in die nächste Psychiatrie zu fahren und dort ein wenig Zeit zu verbringen. Glücklicherweise war mir aber die ganze Zeit bewusst, dass es ein Ausnahmezustand ist und nicht mein normales Fühlen. Das ist nicht immer so und dafür bin ich dieses Mal sehr dankbar gewesen. Es gab mir die Möglichkeit, aktiv etwas dagegen zu machen und immer die Option im Auge zu haben, Hilfe zu holen.

Vor ein paar Tagen merkte ich, dass alles etwas leichter wurde. Scheinbar wirkt mein neues Medikament schon ein wenig und ich fühlte mich, wie ein Bergsteiger, der aus einer Gletscherspalte gezogen wird. Ich konnte den blauen Himmel sehen und hatte wieder Hoffnung. Dies fiel zeitlich zusammen mit der nächsten Stufe im Ausschleichen. Ich habe also wieder meine Dosis des alten Medikaments halbiert. Tadaa! Die Dämonen haben mich wieder. Das Seil, das mich aus der dunklen, kalten Gletscherspalte gezogen hat, ist gerissen. Ich bin nicht so tief gefallen, wie beim ersten Mal, aber es ist schon wieder düster um mich herum. Und genau das veranlasst mich nun zu diesem Artikel. Ich weiß, dass es einigen von euch genauso geht, ihr ebenfalls diese Dämonen kennt und der Schatten über euch schließt und alles in Hoffnungslosigkeit versinkt. Ich weiß, dass ich nicht alleine bin – und so doof das auch klingt, aber genau das hilft mir auch. Ich kann inzwischen auf Twitter einfach mal schreiben, wie es mir geht und merke, dass ich nicht alleine bin. Ich kann meinen Mund öffnen und über meine Krankheit sprechen. Ich habe Menschen, die mir zuhören und das rettet mich.

Ich hoffe, ihr habt so ein Netz ebenfalls und bleibt nicht alleine mir dieser gefährlichen Krankheit – und genau das ist es… eine Krankheit. Es ist nicht einfach eine Traurigkeit, nicht ein Trübsalblasen. Es ist eine Krankheit, die jedes Jahr Menschen tötet. Seid nicht unter diesen Opfern der Krankheit, sondern wehrt euch. Holt euch Hilfe und vor allem: Redet darüber! Wenn ihr niemanden habt, schreibt mir eine Email und ich höre zu, aber bleibt auf keinen Fall alleine!

So und nun danke ich euch fürs Lesen. Mir tut es gut, darüber zu sprechen und für mich war das jetzt mal ein Teil meines Kampfes gegen die Schatten. Sie lauern ständig hinter mir, aber ich schmeiße sie auch immer wieder raus aus meinem Leben. Bis irgendwann eine Seite aufgibt.

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