Unverwüstlich gut!

Es ist geschafft. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge bin ich zurück von meiner Reise. Ich bin traurig, dass die Zeit so schnell vergangen ist, denn ehrlich gesagt, würde ich jetzt gerne noch an der Küste von Wales sitzen und auf’s Meer blicken und doch bin ich froh, dass die Strapazen der letzten Tage vorbei sind. Eigentlich sollte ich meinen Blog umbenennen in “Unverwüstlich gut!”, denn in der letzten Woche bin ich an meine Grenzen gestoßen und habe diese an mancher Stelle auch durchbrochen. Ich blicke mit einem gewissen Stolz auf mich selber zurück und bin mir dennoch bewusst, dass ich eine solche Reise nie im Leben geschafft hätte, wenn ich nicht zwei wundervolle Menschen an meiner Seite gehabt hätte.

Ich war bestimmt nicht einfach. Dieser Roadtrip hat mich nicht nur körperlich belastet, sondern mir auch psychisch einiges abverlangt, was leider meine Mitreisenden erleben durften. Großer Stress führt bei mir noch viel schneller als bislang zu einer Überforderung, einer Überlastung meines Gehirns. Ich kann nicht mehr klar denken, sehe nicht mehr rationale und logische Auswege aus Situationen und das führt zu einer Frustration, die ich nur schwer überkomme. Aber dennoch hat es geklappt und ich kann noch mit meinem Papa reden und mein Sohn möchte noch in meiner Nähe sein. Das ist ein gutes Ergebnis. Ich bin gespannt, wie meine Psyche reagiert, wenn mir bewusst wird, wie teuer diese Reise war. Mein Konto wird es auf jeden Fall nicht überleben. Versteht diesen Blog nun also bitte als einen dankbaren Nachruf an einen treuen Begleiter.

Meine Arme haben in diesem Urlaub an Muskeln zugelegt. Erstaunlich, wie viele Berge, Steigungen und nicht gerade Straßen ein ansonsten ziemlich flaches Land haben können. Zumindest hatte ich Großbrittanien bislang nie als so hügelig in Erinnerung gehabt und die Tatsache, dass meine Beine mich nicht mehr sehr weit tragen, lies mich in einem ziemlich schwergängigen Übergangsrollstuhl durch die fernen Lande kreuzen. Immer wieder war ich überrascht, wie gut ich eine Steigung im Rollstuhl packe, nur um zu entdecken, dass hinter mir ein Renter oder ein Kind aus voller Kraft meinen fahrbaren Untersatz schoben. Nichts desto weniger fühlte ich oftmals meine Arme nicht mehr und meine Handschuhe haben große Löcher und sind nicht mehr zu gebrauchen. Nach einem langen Tag kreuz und quer durch London, bin ich neben dem Auto am Abend zusammengebrochen und konnte mich nicht mehr festhalten (nicht das erste Mal, dass ich auf einem Parkplatz am Boden lag, also war es nicht unbedingt schlimm für mich). Meine Schmerztablettenvorräte haben sich am Abend immer deutlich reduziert, bevor ich daran denken konnte, die Augen zu schließen. Und dennoch habe ich nicht aufgegeben und bin jeden Morgen mit einer großen Vorfreude auf den Tag erwacht.

Ich habe etwas über mich gelernt. Vielleicht nicht, dass ich unverwüstlich bin – ziemlich klar habe ich bemerkt, dass es nicht wirklich so ist. Ich habe gelernt, dass meine Behinderung nicht im Weg steht, schöne Erlebnisse zu haben. Dass ich nicht Angst haben muss, dass ich meine Zukunft zuhause verbringen muss, gefangen in meinen vier Wänden. Ich habe gelernt, dass man alles schaffen kann, wenn man es wirklich will – vielleicht sind halt nur die Mittel und Wege dort hin zu kommen etwas anders. Geht es nicht zu Fuß, kommt ein Rollstuhl ins Spiel. Geht es nicht mit Rollstuhl, habe ich eine Krücke, die mir hilft. Und bin ich auch ganz weit unten: Meine Familie ist da und hilft mir hoch, glaubt an mich, unterstützt mich ungefragt und steht mir zu Seite, selbst wenn ich den Anschein mache, dies nicht zu wollen. Danke an euch – ich werde diese Reise nie im Leben vergessen.

 

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