Voller Schub voraus!

Du bist noch MS-Anfänger und willst wissen, wie sich ein Schub anfühlt? Wie man ihn erkennt? Was das überhaupt ist? Dann bitte melde dich bei mir und kläre mich auf, wenn du eine Antwort bekommen hast. Als ich die Diagnose im letzten Jahr bekommen habe, arbeitete ich mich durch diverse Foren, Blogs und Youtube-Videos auf der Suche nach Antworten. Das Thema “Wie erkenne ich einen Schub” habe ich dabei überall gefunden und daher möchte ich diesen Artikel hier nicht auslassen. Doch erwartet von mir bitte keine Antwort, denn die kann ich nicht geben.

Ich habe oft gelesen, dass MSler morgens aufwachen und sich sofort die Frage stellen: “Habe ich einen Schub?”. Dass sie sich oft selber beobachten, und jedes kleine Anzeichen sofort versuchen zu deuten. Bei mir war das nach der Diagnose noch anders. Ich habe nicht soviel darüber nachgedacht und habe mich treiben lassen. Ich war immer ein Mensch, der alles haarklein versucht hat zu analysieren und deswegen war das für mich sehr ungewöhnlich und doch habe ich mir genau diese Frage nicht gestellt. Hat etwas gekribbelt, ist mein Arm eingeschlafen, haben sich meine Schmerzen verschlimmert? Dann ist das wohl so. Ja gut, zwischenzeitlich hatte ich dann doch die Frage, ob ich wohl in einem Schub stecke und dann habe ich es wieder ignoriert. Es ist schließlich die Krankheit mit den 1000 Gesichtern, also vielleicht ist alles seltsame bei mir normal. Und dann kam der Jahreswechsel. Ziemlich genau drei Monate nach meiner Diagnose und ich fühlte mich krank. So richtig krank. So krank, wie ich mich selten in meinem Leben gefühlt habe. Das war ein Schub und es war mir eigentlich sofort klar. Also ab zum Neurologen, fünf Tage Kortison und schon ging es mir wieder besser. OK, die Depressionen nach dem Kortison lasse ich jetzt mal aus – das wird ein ganz eigener Artikel.

Nach diesem Schub ging es los. Ich beobachtete mich und fragte mich, ob ich wieder einen Schub habe oder nicht. Die Tage vergingen und merkte, dass ich mir selber Panik mache. Jedes kleine Zipperlein war für mich ein Grund, in mich zu gehen. Zu sehen, ob dies vielleicht bedeutet, dass ich wieder zum Arzt muss, wieder Kortison brauche. Oft war ich drauf und dran, wieder zum Neurologen zu tingeln, nur um dann zu beobachten, dass das Symptom wieder verschwand. Meine “Ich hab ja nichts…” Einstellung war erstmal weg und einer steten Sorge gewichen.

Dann kam der Schub und alles war anders, als beim ersten Mal. Nur eine Sache war geblieben: Ich fühlte mich absolut krank. Ich WUSSTE einfach, dass es ein Schub war. So seltsam es klingt, aber ich bin im Nachgang froh über diesen Schub. Er hat mir gezeigt, dass all das “Warten” auf neue Symptome nicht wirklich etwas bringt. Der Schub kommt, egal ob ich mich beobachte oder nicht. All die Sorgen und die Panik hat mir nur die Zeit zwischen meinen Schüben getrübt. Und ist das nicht eigentlich die Zeit, die wir noch mehr genießen sollten als jeder andere? Weil wir einfach nicht sagen können, ob wir uns jemals wieder so gut fühlen werden, wie genau in diesem Moment? Ich habe mich dazu entschlossen mich nicht mehr verrückt zu machen. Bin wieder zurück zu meiner alten Gelassenheit gekehrt. Zurück zu dem “Ich hab ja nichts…” in meinem Leben. Ich versuche jeden Tag genießen, ohne dass ich bei jedem kleinen Zucken große Bedenken habe oder in eine Panik verfalle. Wird der nächste Schub auch wieder so aussehen wie beim letzten Mal? Ich kann es nicht sagen. Aber für mich bin ich mir sicher: Wenn ein Schub kommt, dann werde ich ihn erkennen. Bis dahin geht es in meinem Alltag vollen Schub voraus – aber gelassen.

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2 Comments

  1. Sonja 11. Juli 2018 at 11:13

    Lieber Chris,

    das ist eine gute Erfarung und ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass es Dir gelingt, den Kopf auszuschalten, zur anfänglichen Gelassenheit zurückzukehren und die guten Zeiten bewusst zu genießen.
    Danke, dass Du uns teilhaben lässt.

    Liebe Grüße
    Sonja

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  2. Pingback: Die perfekte Welle | Unheilbar gut

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