Warte mal ab! oder wie Zeit schleichen kann

Ich bin ja an und für sich ein geduldiger Menschen – komisch, das behaupten alle von sich, die ständig unter Strom stehen und am liebsten alles sofort erledigt haben wollen. So wohl auch bei mir. Ich hasse warten. Sei es in einer Schlange, an der Kasse vom Aldi oder auf das Päckchen, selbst wenn ich etwas bei Amazon Same Day (eine tolle Erfindung) bestellt habe.

Warten ist so überhaupt nicht mein Ding und dennoch bestimmt es jetzt mein Leben. Seit Januar warte ich nun auf den Schwerbehindertenausweis. Zuerst dauert natürlich alles in Ämtern unglaublich lange und dann kommt es (wie beinahe erwartet) dazu, dass der Antrag erst einmal abgelehnt wird. Widerspruch – wieder warten. Ergebnisse vom Arzt – wieder warten. Mal eben irgendwo hin… nein das klappt nicht, weil ich ja kein Auto mehr fahren kann und prompt warte ich darauf, dass mich jemand abholt, bringt oder auf das Taxi, das ich nehmen muss.

Jetzt gerade warte ich darauf, dass ich nach meinem kurzen Trip nach Berlin, der morgen startet, zum Gesundheitsamt muss, damit die nochmals prüfen, ob ich auch wirklich behindert bin und dann auf Mitte September, dass ich endlich in die Uni-Klink komme und dort einmal komplett auf den Kopf gestellt werde. Irgendwie vergeht dabei die Zeit nicht und es ist noch so unsagbar lange hin. Dabei habe ich JETZT die Probleme, möchte jetzt schon die Antwort auf die Frage, ob das nun so weiter geht oder gestoppt werden kann mit meiner ziemlich schnellen Verschlechterung. Aber so sitze ich hier und mir bleibt nichts weiter, als meine Situation zu ratlos zu betrachten.

Das schlimmste Warten ist allerdings, dass ich nicht weiß, wann die nächste Bratpfanne kommt, die mich mitten ins Gesicht trifft und von den Beinen haut. Ich wache morgens auf und auch wenn ich es gar nicht will, schleichen sich im Moment die Gedanken ein, was wohl heute so für Unannehmlichkeiten und Hürden auf meinem Weg liegen. Kann ich richtig sehen oder wird das im Laufe des Tages wieder schlechter? Kann ich heute ein paar Schritte laufen oder geht mal so gar nichts? Wann wird die große Schmerz-Welle mich erreichen und kann ich sie heute wieder stoppen? Die Gedanken kann ich kaum aufhalten – noch nicht. Ich arbeite dran.

Und irgendwo liegt da auch das positive an der ganzen Geschichte. Ich bin gezwungen, die Geschwindigkeit aus meinem Leben zu nehmen. Nicht nur beim Laufen, sondern bei allem das ich mache. Ich muss Geduld entwickeln, wo vorher noch keine war. Ich bin gedrängt, den Stress aus meinem Leben zu verbannen, weil er mich sonst bewegungsunfähig macht (ganz wörtlich) und die ganzen Umstände helfen mir sogar dabei. Ich merke jetzt schon, wie ich in vielen Bereichen meines Lebens ruhiger geworden bin und das ist phantastisch. Hmm… wenn ich NUN ENDLICH MAL ins Krankenhaus kommen würde, wäre es natürlich noch besser! 😉

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