Warum? (Epischer Schrei)

Nachdem die ersten Monate vergangen waren, kam langsam die Frage auf, die mir von anderen immer wieder in den Mund gelegt wurde. Die Frage: „warum gerade ich?“ Warum habe gerade ich diese Krankheit bekommen? Womit habe ich das verdient? Ich weiß das es eine ziemlich metaphysische Frage. Die gläubigen Menschen unter uns haben sicher dafür eine Antwort. Vielleicht ist das Karma, vielleicht ein Test von einem Gott, Schicksal oder einfach nur Pech? Mir ist klar, dass man sich eine solche Frage am besten gar nicht erst stellt. Und doch geisterte sie in meinem Kopf herum.

 

Ich habe zurück auf mein Leben geblickt, all die Dinge auf die ich nicht stolz bin. Ich habe mehr als einmal darüber nachgedacht, was ich hätte besser machen können – womit ich dieses Schicksal hätte vermeiden können. Dabei sind mir sogar Erinnerungen aus meiner frühsten Kindheit gekommen, die ich nun infrage stelle. Ganz schön verrückt oder? Das Konzept „Karma“ hat irgendwie einen ganz festen Platz in mir eingenommen. Und auf ganz wunderbare Weise hat die Erkrankung angefangen aus mir einen besseren Menschen zu machen. War das der große Plan?

 

Am meisten hat mir allerdings ein Gedanke Mut gemacht. Vielleicht hat es mich getroffen weil ich in der Lage bin das durchzustehen? Weil ich stark genug bin, die Schmerzen auszuhalten. Weil ich in meinem ganzen Umfeld die Person bin, die das schon schaffen wird. Ja ich weiß, diese Krankheit ist kein Ball der einem zugeworfen wird, den ich hab‘ abfangen können bevor zum Beispiel mein Sohn ihn fängt. Und doch sagt mir etwas in mir, dass dies irgendwie plausibel ist.

 

Egal was der Grund ist oder ob es überhaupt einen Grund gibt, nun ist es halt so. Ich muss nach vorne blicken, nicht zurück, muss jeden Tag neuen Mut zusammen sammeln, ihn durchzustehen. Und genau das mache ich – mit einem Lächeln. Bei all den Herausforderungen, den Behinderungen im Alltag, den Zipperlein, den Momenten die ich einfach verfluche, sehe ich auch immer mehr die Schönheit der Welt. Ich erfreue mich an so vielen Kleinigkeiten, die ich früher gar nicht bemerkt habe. So seltsam es klingt, seitdem ich all diese Probleme habe bin ich ein zufriedenerer Mensch geworden. Vielleicht gibt es kein Licht ohne Schatten und bei mir hat sich einfach der Kontrast verstärkt. Warum? Keine Ahnung!

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